Tag 11 Henties Bay und die Robben am Kreuzkap

Unter einem reichhaltigen Frühstücksbuffet kann sich ja jeder vorstellen, was er will. Aber was Frau d´Avignon ihren Gästen hier an Auswahl und Qualität bot, war einfach toll. Von Müsli und Konfitüren über Bio-Milch, Bio-Kefir und unzählige Käsesorten, Wurst und Gemüse bis zu den berühmten Swakoptal-Oliven, es gab wohl nichts, was es nicht gab.

Nachdem wir uns noch Tipps für den Tag geholt hatten, wollten wir heute die Atlantikküste erobern. Vorher besuchten wir nur noch kurz „Die Muschel“, einen tollen Buchladen in der Stadt, der jede Menge Literatur aus und über Namibia zu bieten hat. Dazu noch CDs und mehr. Unsere Wahl fiel auf „Wenn es Krieg gibt gehen wir in die Wüste“ von Henno Martin und „Was Afrika mir gab und nahm“ von Margarethe von Eckenbrecher.

Wlotzkas Baken war dann unser erstes Ziel, ein idyllischer Ferienort, wo ein Herr Wlotzka einst sein Feriendomizil errichtete. Erst aus Containern, dann aus alten Eisenbahnwaggons, später aus Holz und Stein baute man sein farbenfrohes Ferienhaus in den Sand.

Einige Kilometer weiter kann man eines der zahlreichen Schiffswracks an der Atlantikküste sehen, wie es ungehindert vor sich hin rostet. Am Straßenrand stehen behelfsmäßige Tischchen mit Salzkristallen in diversen Größen. Gegen einen geringen Obulus in die Kasse kann man sich ein im Durchschnitt faustgroßes Stück aussuchen.
Schließlich erreicht man 70 km nördlich von Swakopmund Henties Bay, einen Ferienort, den man je nach Betrachtungsweise als gemütlich bis nobel einstufen kann. Im Jahre 1929 gegründet, leben nun 4000 Einwohner ständig im Ort.

Weiter im Norden gelangt man schließlich zum Cape Cross, wo zwei Repliken (1894/1980) eines Steinkreuzes daran erinnern, dass hier im Jahre 1486 der Portugiese Diego Cao als erster Europäer namibischen Boden betrat. Auf den Klippen des Kaps findet man darüber hinaus die größte Robbenansammlung der Erde. In der Brunftzeit von September bis Dezember kann man hier bis zu 150.000 Zwergpelzrobben sehen, hören und auch riechen. Für insgesamt 90 N$ bekamen wir ein Permit.

Zurück in Henties Bay durchforsteten wir den ersten Supermarkt nach Wasser, Schokolade, einen kleinen Vorrat an Muscheln in Dosen und einen Putzlappen gegen den allgegenwärtigen Staub im Auto usw., als wir auch schon feststellten, dass Kaffeezeit war.

Ein Coffee Shop war schnell gefunden und so entschieden wir uns für einen Cappuccino (12 N$), einen Kaffee (10 N$), der sich im Nachhinein als Kanne herausstellte und zwei Eis zu je 6 N$. Ein kleiner Leguan war ebenfalls zu Gast und wurde auf dem Tresen mit Krümeln gefüttert, die er mit seiner langen Zunge in einer unfassbaren Geschwindigkeit auflas.

Auf der Rückfahrt konnten wir sehen, wie die aus Salz, Gips und Wasser bestehende Salzstraße erneuert wurde. Auf der nassen Strecke fühlte sich das Ganze an wie Schmierseife, und wir waren froh, hier nicht bei Regen fahren zu müssen. Bei einer kleinen Wanderung in den Dünen, nach der Kanne Kaffee dankbar für die einsame Landschaft, fanden wir noch interessante Muscheln und Strandgut, zu dem wir uns die tollsten Geschichten zusammen sponnen.

An Swakopmund vorbei steuerten wir dann Walvis Bay an, um genau zu sein, die im Reiseführer angepriesene Austernbar. Nach einigem Suchen hatten wir sie auch gefunden, leider geschlossen und das allem Anschein nach schon seit geraumer Zeit. Da es noch früh am Abend war, spazierten wir ein Stück durch die Gegend und traten dann den Rückzug an, um in Swakopmund noch einen letzten Sonnenuntergang an der Jetty zu erleben.

Dann hatten wir ein „Problem“. Planmäßig mussten wir unbedingt noch den berühmten grünen Spargel von Swakopmund probieren, aber auch den Hummer, bevor wir am nächsten Morgen die Atlantikküste verlassen. Nirgendwo fanden wir beides auf der Speisekarte, und als wäre nun der Wohlstand ausgebrochen, nahmen wir in Kückis Pub & Restaurant erst die Vorspeise, bestehend aus grünem Spargel mit Kartoffeln (77 N$) und Austern ein. Nachdem wir uns in Schale geworfen hatten, ging es dann zum Hotel – Restaurant Grüner Kranz auf sechs Riesengarnelen mit Reis (29 N$) und Crayfish (99 N$), dazu natürlich Bier bzw. Wein.

Die Völlerei war uns schon ein bisschen peinlich, aber es kamen auch noch andere Tage. Heute genossen wir unsere gemütliche Unterkunft in der Pension d´Avignon, die schöne Dusche und das einladende Bett.