Tag 13 Nächte unterm (Sternen)zelt, eine zweifelhafte Quelle und die Orgelpfeifen

Der Tag begann mit Spiegelei und Schinken, Würstchen und einer schönen Auswahl weiterer Köstlichkeiten. Beim Packen beschwerte sich Steffen noch über die schwere Provianttasche und darüber, dass er schon wieder beim Supermarkt halten sollte. Nur Stunden später war er dankbar für Ines` Hang zur Vorratshaltung …

Bevor wir das Brandberg Rest Camp verließen, hatten wir noch ein nettes Gespräch mit dem Chef und einem Besucher aus dem Ort, der mit seinen 80 Jahren noch tagelange Radtouren unternimmt. Er hat früher für eine deutsche Firma gearbeitet und freute sich über die deutschen Gäste. Er berichtete uns, dass Uis das beste Klima von ganz Namibia hat, weshalb viele Namibier ihren Altersruhesitz dorthin verlegen.

Nach einem kleinen Einkauf (Tomaten, Gurke, Toast, Melone… ) und dem obligatorischen Stop an der Tankstelle führte uns die Pad also in Richtung Aba Huab. Unterwegs machten wir irgendwann Picknick. Weil wir frische Luft und Sonne brauchten, suchten wir uns einen großen Stein dazu aus, auf dem hockend wir Rücken an Rücken unsere Melone schnorpsten. So hatten wir den besten Rundumblick übers Land und konnten herannahende wilde Tiere rechtzeitig erspähen.

Unterwegs kamen wir an einer Stelle vorbei, wo zwei kleine Zelte standen. Steffen meinte, solche Zelte haben wir auch reserviert und fand das sehr witzig. Aber Ines war überzeugt davon, am Abend in geräumigen Hauszelten mit allem Komfort in einen gut ausgestatteten Camp zu nächtigen.

Über das Rivier des ausgetrockneten Aba Huab gelangten wir ins gleichnamige Camp. Die Lage war recht idyllisch, große alte Bäume, alles sauber und weit und breit keine Touris zu sehen. Soweit so gut.

Rechterhand stand unter einem riesigen Baum ein einzelnes kleines Zelt. Ein großes Gebäude mit Schilfdach beherbergte Bar, Restaurant und Rezeption. An der Rezeption (ein Kämmerlein) betrachtete man ungläubig unsere Reservierung. Die sehr nette junge Dame fragte, ob wir erst mal nur eine Nacht bezahlen wollten, woraufhin Ines sich wunderte und Steffen raunte, hier wäre wohl noch nie jemand eine zweite Nacht geblieben. Ines tat das als Scherz ab und zahlte mutig für beide Nächte im Voraus.

Die Dame von der Rezeption meinte nun, uns unser Zelt zeigen zu wollen und steuerte geradewegs das kleine Zeltchen an. An Stelle eines Daches hatte es eine luftige Gaze und im Innenraum zwei Matratzen, zwei Kissen und zwei Decken unter einer knirschenden Sandschicht. Steffen behauptete später, Ines hätte in dem Moment geguckt, wie die Kuh, wenn’s donnert. Nun muß man dazu sagen, wir sind nicht so die geborenen Camper, aber egal, wir nahmen es mit Humor.

Als nächstes wollten wir das Camp erkunden und mussten leider feststellen, dass das angekündigte Restaurant geschlossen war. Die Duschen waren auch toll, drei nebeneinander gemauert, ohne Dach und ohne Türen, ohne jegliche Haken oder Ablage für Klamotten und Waschzeug und von vorne eine Bambuswand als Sichtschutz. Ähnlich die Toiletten, kein Dach und keine Tür, Bambusmatte im Bogen aufgestellt und mittendrin der „Thron“. Na, das war doch mal was anderes.

Da unser neues Zuhause nur einen Reißverschluß an der Tür hatte, ließen wir erst mal unsere Habseligkeiten im Auto und fuhren nach Twyfelfontein, was soviel bedeutet wie zweifelhafte Quelle, so benannt von einem Farmer, da eine hiesige Quelle nur unzuverlässig Wasser spendete.

Mit einem ortsansässigen Führer kann man hier sehr schöne Felsenmalereien und auch Felsritzungen besichtigen, die zum Teil bis zu 6000 Jahre alt sind.
Anschließend kamen wir noch mit unserem Guide Belinda ins Gespräch, und sie bat uns um eine Mitfahrgelegenheit für sich und Kollegin Ixlanda. Da wir auf halbem Wege in einer Lodge noch einen Kaffee trinken wollten, luden wir die beiden kurzerhand ein. Als sie hörten, wo wir wohnen würden, fragten sie verwundert, ob wir denn keine Angst vor Elefanten hätten. Wir hielten das für einen Scherz. In dem Moment war uns auch gar nicht bewusst, dass das Camp gar keinen Zaun hatte.

Nachdem wir Belinda und Ixlanda zu Hause abgesetzt hatten, wollten wir uns noch die Organ Pipes (Orgelpfeifen) und den Burnt Mountain (Verbrannten Berg) ansehen.
Die Orgelpfeifen sind eine geologische Besonderheit in einer Art Schlucht auf dem Wege zum Verbrannten Berg. Es handelt sich um Basaltsäulen, die bis zu 5 m hoch in den Himmel ragen.

Der Verbrannte Berg, tagsüber eher unscheinbar, zeigt im Schein der untergehenden Sonne ein leuchtendes Farbspektakel in allen Tönen zwischen Rot und Braun.
Zurück im Camp beschlossen wir, unser Abendessen ganz gemütlich vor dem Zelt einzunehmen. Eigentlich hatten wir alles, was wir brauchten, einen Baumstamm als Bank, einen Tisch mit Steinplatte, einen Wasserhahn am Baum, Teller und Besteck und unsere Provianttasche. Steffen sortierte akribisch die Vorräte, zählte Brotscheiben ab, rationierte den Käse und stellte erleichtert fest, dass (Ines sei Dank) keiner hungern musste. Das Menü war lecker!

Dann kam das Unvermeidbare, der Gang zum „Sanitärbereich“, möglichst bevor es ganz dunkel wurde. Auf dem Weg dahin entdeckte Ines ein, nennen wir es mal Gebäude unter einem Baum und wollte es näher erkunden. Nicht, das man neugierig wäre, aber gucken kann man ja mal. Es war eine Toilette, welche Freude, mit Mauer drum herum, Papier und Spülung (!). Wenn man den Holzbalken schräg davor stellte, wussten die anderen (hoffentlich), dass da um die Ecke herum jemand saß.

Und auf der anderen Seite gab es eine Dusche, genauer gesagt eine Baumdusche mit Schilfwänden und einer richtigen Tür, die man mit einem Stück Draht verriegeln konnte. Fließend heißes und kaltes Wasser, ein Waschbecken mit Ablage für Klamotten und andere Utensilien machte den Luxus perfekt. Die kleine Fellschwanzratte verschwand freiwillig, als wir kamen, und wir hängten unsere Sachen in den Baum.

Inzwischen war es dunkel, als wir frisch und fröhlich zum Zelt zurück kamen. Ein Stück weiter hatte sich ein Gast mit Campinganhänger eingerichtet, der sich als Piet vorstellte und uns an sein Lagerfeuer einlud. Mit Chips und Bier zogen wir los. Piet kam aus Kapstadt und schrieb an einem Kinderbuch über Tiere in Afrika.

Als Ines die Einladung zum Wein dankend annahm, kam prompt die Frage, was es denn für welcher sein dürfe. Ines fand das lustig und Piet schlug einen Cabernet Sauvignon vor. Als Piet dann sein Weinlager zeigte, waren wir erst mal baff. Überhaupt war seine ganze Campingausrüstung spektakulär. Da gab es einfach alles.

Später grillten wir noch Würste und Käsesandwiches mit Zwiebel und Tomaten, als Nachtisch schlug Piet Eiscreme mit Banane und frischer Ananas vor. Unglaublich! Steffen ließ sich gerne zu Glenfiddich überreden und wir quatschten die halbe Nacht über Gott und die Welt.

Als wir später dann in unserem Zelt lagen und über uns Millionen von Sternen funkelten, fanden wir alles richtig toll. Das war Afrika!