Tag 15 Die Fingerklippe

Als gegen 5 Uhr einige winzige Regentropfen auf das Gazedach fielen, stand Steffen (soweit das bei der Höhe des Zeltes überhaupt möglich war) in Bruchteilen von Sekunden neben seiner Matratze und brach wegen des bevorstehenden Unwetters in helle Panik aus. Er sah schon das Zelt davon schwimmen und warf eilig alle Habseligkeiten in den Kofferraum. Ines, im früheren Leben wohl ein Murmeltier, ließ das unbeeindruckt. Zu Recht, wie sich später (zufällig) heraus stellte.
Bis zum Aufstehen passierte jedenfalls kein Unheil, abgesehen von einer ordentlichen Ladung Vogeldreck, die zum Glück auf die dichte Seitenwand des Zeltes niederging. Ohrenbetäubender Lärm der Vögel gab den Startschuß für den Morgen, der dem gestrigen nicht unähnlich verlief.

Wir verabschiedeten uns von dem inzwischen liebgewordenem Camp und steuerten erneut Khorixas an, wo wir kurz vor Mittag ankamen und endlich wieder tanken konnten. Wir kauften noch kurz ein, luden unser Handy auf und fühlten uns gleich viel besser.

Unsere Rundreise führte uns heute zur Vingerklip (Fingerklippe), die als Relikt der Erosion als Rest eines Tafelberges im Tal der Ugab-Terrassen 35 m hoch in den Himmel ragt. Von ihrem Fuße aus kann man bis zum Horizont sehen. Da sie auf dem Gelände einer Lodge liegt, zahlt man ein geringes Entgelt und kann zur Klippe wandern. Der Weg ist nicht weit, und der herrliche Ausblick auf die Tafelberge auf jeden Fall lohnenswert.

Vorbei an zahlreichen Termitenhügeln erreichten wir Outjo, den letzten Ort etwa 100 km vor dem Etosha-Nationalpark. Wir nutzten die Gelegenheit für diverse Erledigungen wie Tanken, Internet, Creme in der Apotheke kaufen, Vorräte auffüllen, insbesondere Biltong usw.
Dass Steffen sich in Namibia wie zu Hause fühlte, äußerte sich in der Tatsache, dass er unbedingt einen Baumarkt aufsuchen wollte. Hier fand er auch schnell die passenden Schrauben, um die hintere Stoßstange wieder zu befestigen.

Wie sich immer wieder zeigte, ist nicht nur das Mitführen eines Benzinkanisters und eines zweiten Ersatzrades (was wir diesmal aber nicht brauchten) zweckmäßig, sondern auch das Vorhandensein eines eigenen Mechanikers ist zwar nicht vorgeschrieben, aber sehr zu empfehlen. Es hat uns zumindest viel Kummer und Kosten erspart.
In einem schönen Kunstgewerbeladen fanden wir noch verschiedene Schnitzereien, bevor wir in einer österreichischen Bäckerei Torte und Sandring zu Cappuccino aßen.

Der weitere Verlauf der Rundreise in Richtung Etosha führte uns an zahlreichen Schafen vorbei, wir begegneten Warzenschweinen usw., bis der Himmel gegen 18 Uhr bis zum Horizont voller Regenwolken hing. Wenige Minuten später erreichten wir das Etosha Safari Camp, unser Zuhause für die nächsten beiden Nächte.

An einem Hang liegen mit angenehmen Abstand zueinander und schön im Grünen mehrere kleine Häuschen, von denen das mit der Nummer 13 nun unser trautes Heim werden sollte. Wir fühlten uns gleich wohl, ein großes Moskitonetz und eine riesige offene Elefantendusche gefielen uns auf Anhieb. So entschlossen wir uns zu einem Abendessen auf der Terrasse und freuten uns riesig auf die wilden Tiere, die wir am folgenden Tag hoffentlich sehen würden.

Später statteten wir dem Hauptgebäude noch einen Besuch ab, wo man sich bei Kaffee und Tee bedienen kann. Die Einrichtung der zahlreichen Räume ist herrlich, man fühlt sich wie in einem afrikanischen Dorf. Krempel aller Art ist phantasievoll zu einem Gesamtkunstwerk zusammengetragen und -gebaut. Man kann stundenlang stöbern und staunen und entdeckt doch immer wieder neue witzige Details.

Ein hübsch dekorierter Innenhof ist Restaurant und Bühne für die Musiker zugleich. Neben der Rezeption gibt es einen kleinen Laden mit netten Souvenirs.
Oben in der Hütte reichte die Energie noch, um einige Postkarten zu schreiben, dann fielen uns die Augen zu.