Tag 3 Ai-Ais und Fish River Canyon

Nach einem leckeren, mit Gemüse, Pilzen und Wurst gefüllten Omelett usw. meldeten wir uns erst einmal per E-Mail zu Hause und erkundeten dann Keetmannshoop. Die aus schwarzem Granit erbaute Neuapostolische Kirche, das Kaiserliche Postamt und der Bahnhof waren die ersten Besichtigungspunkte des Tages. Dann wurde noch mal der Tank aufgefüllt und wir fuhren nach Grünau. Eigentlich sollte das eine Stadt sein, aber in Namibia sollte man diese Bezeichnung nicht so wörtlich nehmen.

Mittags war wieder Picknick angesagt. Das schont nicht nur die Reisekasse, sondern spart in erster Linie viel Zeit. Irgendwann waren wir auf dem Wege zu den heißen Quellen von Ai-Ais. Eigentlich sollten die im November schon geschlossen sein. (Wer brauch bei 40°C im Schatten auch ´ne 60°C heiße Quelle?) War sie aber dann doch nicht.

Unterwegs haben wir Raffael aufgegabelt, der mit seinem kaputten LKW alleine mitten in der Pampa stand und keine Hilfe rufen konnte, weil sein Handy an dieser Stelle nun gerade kein Netz fand. Wenn dann alle paar Stunden mal ein Auto vorbei kommt, ist es doch schön, wenn man mitgenommen wird. Fand Raffael auch. Und wir hatten wieder einen netten Gesprächspartner.

In Ai-Ais gibt es ein wirklich schönes Thermalbad. Man kann direkt im Haus um das Becken herum Zimmer mieten oder auch kleine Bungalows auf dem Gelände. Es gibt einen tollen Außenpool, eine Gaststätte, einen Laden und eine Tankstelle. Alles recht gemütlich angelegt. Leider mussten wir aber weiter und fuhren dann nach Hobas, um uns für 170 N$ unser Permit für den Fish River Canyon zu holen.

In den Wintermonaten werden geführte Wandertouren auf Teilstrecken im Canyon angeboten. Wir haben ihn an drei verschiedenen Aussichtspunkten von oben bewundert. Vom Hauptaussichtspunkt ist die Höllenkurve (Hell Bend) zu sehen. Und wenn man so am Rande steht und in die bis zu 549 m tiefe Schlucht schaut, wo vor 500 Mio. Jahren die Erdkruste zersplitterte, dann ist das schon sehr beeindruckend.

Wieder in nördliche Richtung unterwegs, folgte nun eine endlos scheinende Sandpiste fast ohne jegliche Begegnung mit anderen Menschen. Etappenziel war Seeheim. Wieder mal sind wir auf die Bezeichnung Stadt reingefallen und fanden uns dann zwischen einem verlassenen Bahnhof, zwei Häusern und einem Fort wieder. Da allerdings kann man wohl gut essen und übernachten, wie wir später erfuhren.

Wir setzten unsere Fahrt jedoch fort und erreichten bei km-Stand 1205 eine Asphaltstraße, was wir zunächst für eine Fata Morgana hielten. Sie führte uns durch Aus und nach Klein Aus Vista, wo wir gegen 20.30 Uhr ankamen, aber leider kein Zimmer fanden, dass unserem Budget halbwegs entsprach. Auf der örtlichen Polizeiwache fragten wir vorsorglich nach dem Weg, durften auch mal aufs Klo und beschlossen dann, in Lüderitz zu übernachten und der staubigen Piste erst mal adé zu sagen.

Bis dahin war es aber noch ein Stück. Man sollte in Namibia nicht unbedingt im Dunkeln fahren. Und vor allem nicht so schnell, zum Beispiel auf dieser Strecke. Weshalb das so war und wie viel Glück wir hatten, sahen wir aber erst am übernächsten Tag.

In Lüderitz angekommen, bekamen wir das letzte Zimmer in der Pension Kratzplatz, einem rustikal gemütlichen Haus mit ebensolcher Gaststätte. Herrlich! Man teilte uns mit, dass die Küche leider schon geschlossen war. Der Koch würde uns aber gerne noch eine Pizza backen. Wir nahmen zweimal „Seafood“, denn wir waren am Atlantik und konnten einen kleinen Imbiß vertragen.

Was dann kam (hmm), erinnerte eher an Wagenräder und wir mussten am Tisch auseinander rücken, damit der kleine Imbiß Platz hatte. Wir bewunderten mampfend die fantasievolle Einrichtung und merkten erst jetzt, wie kaputt wir heute waren. Nach einem Glas Wein bzw. Bier für Steffen fielen wir bald in einen tiefen Schlaf.