Tag 5 Kolmanskop, Lüderitzer Buchten
Der Tag begann heute mal mit einem selbstgemachten Frühstück. Ganz entspannt bereiteten wir uns auf das erste Tagesziel vor, die Diamantenstadt Kolmanskop, 20 km östlich von Lüderitz. Die ehemals reichste Stadt Namibias ist heute eine teilweise meterhoch vom Sand bedeckte Geisterstadt.
Jetzt sahen wir auch die Asphaltstraße, die wir vorgestern befahren hatten, bei Tageslicht. Sie war stellenweise völlig mit feinem Sand überweht, was eine ähnliche Wirkung wie Aquaplaning haben kann. Bei dem Gedanken an die nicht gerade langsame Nachtfahrt wurde uns gleich ganz anders. Vom Schrecken noch nicht ganz erholt, wurden wir von einer Polizeikontrolle gestoppt. Auto und Papiere wurden einer eingehenden Prüfung unterzogen. Am Ende sollten wir mit zur Wache kommen, um einen Strafzettel wegen eines fehlenden Länderkennzeichens zu bezahlen.
Vor Ort war das nicht möglich!?
Wir gaben zu bedenken, dass wir dann die Führung in Kolmanskop verpassen würden. Morgen wollten wir ja schon weiter auf unserer Rundreise. Man hatte ein Einsehen und wir sollten auf dem Rückweg mitkommen.
In Kolmanskop angekommen, zahlten wir 90 N$ und hatten dann eine interessante Führung mit Hartmut Hertel durch einzelne gut erhaltene Gebäude der Stadt. Nach etwa einer Stunde gab es dann noch ausreichend Zeit, Kolmanskop auf eigene Faust zu erkunden und zu fotografieren. Es gibt dort auch einen hübschen Laden mit reichhaltigem Angebot, und ein Cafe lädt zum Essen und Trinken ein.
Auf dem Rückweg war die Polizeikontrolle verschwunden und wir mussten uns wohl oder übel auf die Suche nach der Wache in Lüderitz machen. Die wurde wohl gerade renoviert. Es gab einen Schaltertresen mit einem Karton Gratiskondomen, dahinter einen Tisch, einen Stuhl, eine hochschwangere Dame in Zivil mit Kugelschreiber, Stempel, Stempelkissen und einem dicken Buch. In der Ecke stand ein großer Tresor.
Wir brachten unser Anliegen mehrere Male vor, jedes Mal wurde noch jemand dazu geholt und alle machten einen ratlosen Eindruck, obwohl wir unseren perfekt ausgestellten Strafzettel vorlegten. Der Polizeichef war telefonisch nicht erreichbar und wir zogen schon in Erwägung, uns freundlich zu verabschieden. Dann nahm man uns endlich unsere 100 N$ ab, quittierte den Betrag und wir fühlten uns gleich viel besser.
Als nächstes steuerten wir Marions Info an, um uns bzw. der Mietwagenfirma für 10 N$ den notwendigen Länderaufkleber zu kaufen. Wir wollen an dieser Stelle erwähnen, dass uns der Autovermieter die 110 N$ anstandslos erstattete.

Nach einem kleinen Mittagsimbiss im Haus wollten wir die malerischen Buchten vor Lüderitz besuchen. Die gute Marion hatte uns eine übersichtliche Karte überlassen. Wir begannen mit der Second Lagoon mit ihren zahlreichen Flamingos, der Guanobucht (die genau so roch, wie man sich das dem Namen nach vorstellt) und der Sturmvogelbucht, wo die Reste einer alten Walfangstation zu sehen sind.
Vom Diaz Point zum Halifax Point, wo man mit einem Fernglas unzählige Pinguine beobachten kann, über Essy Bay wanderten wir ein bisschen über Berg und Tal und erreichten zuletzt die Große Bucht. Auf dem Rückweg hielten wir noch mal bei den stolzen Flamingos und suchten dann vergeblich nach der Austernfarm, von der wir irgendwo gelesen hatten.
Zurück im Cottage genossen wir den Sonnenuntergang, leider wieder nur ein kurzes Schauspiel, da Frau Luna quasi mit einem Plumps im Meer versank. Die Meeresprise macht bekanntlich hungrig, weshalb wir uns schnell „in Schale warfen“ und zu Ritzis Restaurant an der Waterfront aufbrachen. In Namibia geht man ganz leger zum Essen, große Garderobe ist nur in Ausnahmefällen erforderlich.
Das macht das Leben leichter, wenn man aus dem Koffer lebt und nicht jeden Tag Frack und Abendkleid bügeln will. Zum obligatorischen Bier und Wein (der sehr gut ist und nicht so unverschämt teuer wie anderswo auf der Welt) bestellten wir uns heute gefüllten Tintenfisch und Muscheln/Schnecken/Riesengarnelen. Ein Traum in Knoblauchbutter! Der Tag endete mit einem nächtlichen Spaziergang am Atlantik. Was für ein Urlaub!


