Tag 8 Sesriem Canyon

Auch am nächsten Morgen war es noch auffallend kühl. Aber das Frühstück in der Lapa war trotzdem sehr gut. Es gab lecker Obst mit Joghurt, Rührei mit Schinken, Toast, Marmelade, Saft … also was das Herz begehrt. Beim Bezahlen mit Kreditkarte kam leider keine Verbindung zustande. Zum Glück hatten wir noch Bares dabei. Das ist eben auch so eine Sache, mit der man in Namibia immer rechnen muss. Und mal eben rüber zur Bank ist nicht. Außer man wohnt zufällig gerade in einer Stadt.

Übrigens wurden auf der Weltevrede Gästefarm früher Karakulschafe gehalten. Als dann die Preise im Keller waren, hat man eine Jagdfarm daraus gemacht. Bis sämtliche Tiere abgeschossen waren. Dann wurde aus der Swartsfarm 1984 eine Gästefarm, auf deren Gelände heute u.a. wieder mehr als 1000 Springböcke leben, auch Leoparden hat man schon gesehen.

Die Fahrt zum Sesriem erwies sich heute schon als wesentlich angenehmer. Wir hatten tolles Wetter, gute Sicht und durch die feuchte Oberfläche war der Sand nicht so unerträglich heiß. Das fand auch der Schakal, der da so des Weges kam. So holten wir also unser Permit und fuhren zum Sossusvlei, einem Trockenflussgebiet mit roten, orangefarbenen und gelben bis zu 300 Meter hohen Dünen. Die letzten 5 km darf man nicht mit Pkw befahren, also wandern oder in einen 4×4 Shuttle umsteigen. Wir entschieden uns für die zweite Variante, zahlten 220 N$ für uns beide hin und zurück und es ging los.

Am Ende der Fahrt findet man rechterhand das Sossusvlei mit den höchsten Sanddünen der Welt. Links geht es zum Dead Vlei, fast genauso hoch, aber landschaftlich noch reizvoller und auch relativ gut zu erklimmen. Erst mal läuft man rund 800m über Sand und ausgetrockneten Boden aus Salzkristallen durch das Trockenflussbett des Tsauchab, der hier bis vor 60000 Jahren floss. Nur wenig Schatten bieten hier noch einzelne Kameldornbäume.

Dann steht man am Fuße der Riesendünen. Wir entschlossen uns für den Aufstieg, der zwar sehr anstrengend war, aber dann einen grandiosen Blick über die endlos scheinende Dünenlandschaft bot. Unser Glück war der Regen vom Vortag, der auf der sonnenabgewandten Seite der Düne die Sandoberfläche weniger rieseln ließ und so besser begehbar machte. Zurück wanderten wir über den Kamm der Düne. Per Shuttle ging es dann irgendwann zurück zum Parkplatz und mit unserem Mietwagen zur „Düne 45“ (45 km vom Eingangstor entfernt). Hier machten wir unser Picknick und weil wir gerade Empfang mit dem Handy hatten, buchten wir mal eben die Unterkunft für die nächste Nacht.

Ausgeruht und gestärkt starteten wir dann unsere Wanderung durch den Sesriem Canyon. Der Einstieg war recht gut zu finden und wir wanderten erst in die eine Richtung bis es uns zu heiß wurde. Dann kehrten wir um und die Neugier trieb uns in die andere Richtung bis zum Ende des Canyons. Insgesamt eine sehr schöne Tour mit faszinierenden Felsformationen und himmlischer Ruhe. Später machten wir wieder Rast an der Tankstelle, tankten natürlich, aßen etwas, kauften ein paar Kleinigkeiten ein und nutzten noch mal das Internet, um uns zu Hause zu melden.

Dann war es auch schon an der Zeit zum Aufbruch in Richtung Swakopmund. Unterwegs sahen wir jede Menge Antilopen, Strauße und nahe der Weltevrede Gästefarm zwei große Giraffen. Giraffen sind natürlich immer groß, aber diese beiden erschienen uns ganz besonders riesig. Nahe Solitaire klingelte dann das Handy und die gute Betsie von der Pension Fischreiher erkundigte sich, ob wir o.k. seien und wann wir denn ankämen. Besonders die Hellhäutigen Einwohner in Namibia sind nach Einbruch der Dunkelheit kaum noch auf der Straße. Aber wenn man eine große Tour macht und viel sehen will, geht es manchmal leider nicht anders.

So kündigten wir eine späte Ankunft an und bestätigten, dass wir wohlauf seien. Nachdem wir noch Herden von Springböcken beobachten konnten, ging dann auch schon die Sonne unter. Exakt 19.36 Uhr überquerten wir dann den Wendekreis des Steinbockes in nördliche Richtung. Den beeindruckenden Gaub Pass konnten wir leider nicht mehr so richtig sehen, denn es war fast völlig dunkel und bis Walvis Bay waren es noch 200 km. Wir sahen noch Pferde, Esel und einen „Ohrenfuchs“, bei denen wir nie so ganz sicher waren, ob es sich nun gerade um einen Löffelhund oder um einen Kapfuchs handelte.

Als die Nacht kurz nach halb neun rabenschwarz hereingebrochen war, sahen wir im Scheinwerferlicht eine Herde Zebras. Welch eine Freude, und das gerade als immer die CD aus dem Player flog, die Vorräte knapp wurden, Steffen kreuzlahm war und Ines eigentlich mal dringend raus musste. Später dann fuhren wir endlich durch Walvis Bay und kamen gegen 22.30 Uhr etwas erschöpft, aber glücklich in Swakopmund an, wo uns in der Pension Fischreiher, Marthinus erleichtert in Empfang nahm. Nach einem wohligen Bad fielen wir todmüde ins Bett.